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Freitag, 11. Oktober 2013

Horshtogg liest Poschardt, cont'd

Das Büchlein "911" von Ulf Poschardt bekommt viel Presse. Gerade fand ich es, auf Sardinien am Strand, im 9ELF-Magazin lesend. Dort nennt man es eine brillante Hommage sowie philosophisch tiefgründig, unbefangen, historisch korrekt und unbedingt lesenswert. Dem kann ich nur zustimmen. Nicht nur die 22,95 Euro, sondern auch die Zeit für die Lektüre der 294 Seiten sind gut investiert.

Weiterhin schreibt "9ELF", das Buch würde den 911 in Gesellschaft, Film und Kultur verorten. Das ist so wunderbar, dazu gebe ich noch Zitate zum Besten:
Gab es außer der sozialen Privilegierung einen gemeinsamen Nenner [unter den Porsche Fahrern]? Glaubt man den historischen Dokumenten, war es der Bodymass-Index. Die Sehnig- und Drahtigkeit seiner Kunden fand ihr mechanisches Gegenüber in der Leichtigkeit des Fahrzeugs. ... Im unaufgeregt Muskulösen entdeckten sich die ersten Porsche-Kunden wieder. Die Biopolitik des Sportwagens präferiert leichte, drahtige Menschen. ... Für übergewichtige Menschen ist ein Sportwagen meist eine Zumutung.
Hierbei wird eigentlich von den historischen Modellen gesprochen, ...
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, rechts :)
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach kaufte ab 1952 jedes Jahr das jeweils neueste Porsche-Modell, das angesichts seiner Körper- wie Kontogröße fast ein wenig zu bescheiden wirkte.
[da kann Körpergröße aber eigentlich nur als Länge gemeint sein, nicht im Sinne von Korpulenz. Der gute Herr Krupp gäbe auch für sich selbst eine gute Geschichte ab, als Kurzfassung taugt wohl Wikipedia, doch das ist eine andere Geschichte] ... aber das zieht Herr Poschardt gleich durch bis auf die Gegenwart:
"Was gar nicht geht", so der Schriftsteller und Elfer-Fahrer Ralf Bönt, "ist Schmerbauch im 911er". Für Bönt besitzt der Elfer einen ästhetischen wie ethischen Imperativ: "Du musst ihn schon so kleiden wie er dich."
Das finde ich einen ganz wunderbaren Ansporn, da gehe ich gleich noch eine Runde schwimmen. Aloha!

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Horshtogg liest Poschardt

Poschardt: "911"
Der manchmal ein klein wenig polarisierende deutsche Journalist Ulf Poschardt [Welt am Sonntag, SZ, Rolling Stone] hat ein kleines Büchlein über den 911er geschrieben. Das Buch hat ansprechend minimalistisches Format und Cover, das stimmt schon mal versöhnlich. Laut Klappentext "umkreist" Herr Poschardt "den 911er als Phänomen der Zeit-, Kultur-, Technik- und Designgeschichte..." und das kann man wirklich so sagen. Ich fand die Lektüre angenehm, teils gar erhellend, und möchte das Buch daher empfehlen.

Lassen wir sich den folgenden Satz in unserem Hirn entfalten:
"Wirklich reiche Menschen können nur bedingt das Glück empfinden, wenn ein Porsche, mit Entbehrungen erspart, die Erfüllung eines überlebensgroßen Traums von sich selbst sein kann."
Das ist eine interessante Aussage. Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, so führt er in spannende Gefilde. Und derart auf das Authentische geeicht wagen wir uns an die nächste, schon ungleich kompliziertere Konstruktion heran:
"Der Porsche ist für den Emporkömmling, den Aufsteiger und Strebsamen Motivation wie Symbol der Ankunft in jener Welt, die er seit seinen frühesten Kindertagen ganz naiv als eine glückliche und schöne imaginiert hat. Eine, die anders als die karge Welt der Eltern mit Spaß und Freude und Frechheit der Überschreitung zu tun hat - und nicht mit jener Strebsamkeit, die in der Anpassung den Charakter der Menschen deformiert, statt diesen freizusetzen."
Zwar ist die Syntax in ihrer Verschraubtheit ganz un911haft, aber trotzdem ist der Inhalt erneut interessant. Welche Eltern man auch jeweils gehabt haben mag, allein das Fazit:
Charakter freisetzen, nicht durch Anpassung deformieren!
ist es wert, dass man sich auf das erforderliche Scanning und Parsing einlässt.